Sie befinden sich hier:

Kultur - Dörfer - Gais

Die 1928 entstandene Gemeinde Gais liegt rund fünf Kilometer nördlich von Bruneck im Tauferer Ahrntal am Ausgang des Mühlbachtales. Sie erstreckt sich über eine Fläche von 60,34 km² und weist eine Einwohnerzahl von 3.146 (31. Dezember 2009) auf. Die Gemeinde Gais umfasst die Fraktionen Gais/Ort (1.920 Einwohner), Uttenheim (1.065 Einwohner), Mühlbach (109 Einwohner), Tesselberg (38 Einwohner) und Lanebach (14 Einwohner). 

Sicht auf Gais     Sicht auf Gais

Der Name Gais

Der Name Gais, der von 985 bis 1238 ausschließlich als „Gaizes“ bzw. „Geizes“ erscheint, wird vom bekannten Namenforscher Finsterwalder von der indogermanischen Wurzel „ghid“ abgeleitet, was soviel wie „Anschwemmungsland“ bedeutet. Der Ort hätte somit seinen Namen von dem großen Murkegel, dem augenfälligsten Element seiner Landschaft.
Der Sage nach wird der Name vom Tier „Geiß“ abgeleitet. Ein Weiblein sei nämlich auf den Georgener Berg gegangen, um seine Ziege zu suchen, als das Dorf von einer Mure verschüttet worden sei. Die Ziege habe somit dem Weiblein das Leben gerettet.
Nach einer anderen Version seien in alter Zeit durch die Pest Tiere und Menschen gestorben, ausgenommen ein Fütterer mit einer Ziege, von deren Milch er sich ernährt habe. Das Haus des Fütterers wurde dann „Gaiser“ genannt. Davon habe das Dorf den Namen bekommen. Tatsächlich gab es in Gais bis vor wenigen Jahrzehnten noch ein Bauernhaus mit diesem Namen.

 

Zur Geschichte

Das Gebiet von Gais war zweifelsohne schon prähistorisch besiedelt, wie die vorgeschichtlichen Siedlungsplätze auf der Gaisinger Pipe (= Kuppe zwischen Bärental und Mühlbach) und auf dem Plateau der Kehlburg beweisen.
985 wird Gais erstmals urkundlich erwähnt.
1014 kam der Ort durch eine Schenkung Kaiser Heinrichs II. an die von ihm gegründete bischöfliche Kirche Bamberg, die hier eine Eigenkirche errichtete. Auch das Pfarrzentrum soll unter diesem Herrscher von St. Georgen nach Gais verlegt worden sein. Der Pfarrbezirk Gais umfasste nun die Ortschaften Gais, St. Georgen, Aufhofen, Dietenheim, Tesselberg, Mühlbach und Lanebach. Ursprünglich dürfte die Pfarre Gais auch politisch eine Einheit gebildet haben. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde sie dann jedoch auf drei verschiedene Gerichte aufgeteilt. Gais wurde als Teil des Gerichtes Neuhaus vom Hochstift Bamberg den Herren von Taufers als Lehen übertragen.
1306 teilten Hugo und Ulrich von Taufers ihren Besitz. Die Feste Neuhaus wurde mit der Hälfte des Dorfes Ulrich zugesprochen, die andere Hälfte und die Feste Taufers erhielt Hugo. Aus diesen beiden Teilen entstanden die Gerichte Taufers und Uttenheim oder Neuhaus.
Während um 1400 noch von einer Zweiteilung des Dorfes gesprochen wird, ist davon später nicht mehr die Rede, do dass das ganze Dorf Gais dem Gericht Uttenheim-Neuhaus unterstellt worden sein muss. Gais bildete in diesem Gericht eines der fünf Pimberche (= Steuer- und Wirtschaftsgemeinden). Dies blieb bis 1811 so. In diesem Jahr wurde Uttenheim mit Gais zu einer Gemeinde vereinigt. 1814 wurden beide Dörfer jedoch wieder selbständige Gemeinden. 1850 kam Lanebach an die Gemeinde Gais und 1928 wurden die alten Gemeinden Gais, Uttenheim, Mühlbach und Tesselberg zur Gemeinde Gais zusammengeschlossen.

 

Sehenswürdigkeiten

  • Pfarrkirche zum Hl. Johannes dem Evangelisten

Die Kirche von Gais ist eine der ältesten und interessantesten Landkirchen von ganz Tirol. Der Bau hat trotz der vielen späteren Veränderungen im Wesentlichen die ursprünglich romanische Gestalt bewahrt. So finden wir eine typische dreischiffige, basilikale Anlage mit einer halbrunden Hauptapsis und zwei ebenfalls halbrunden Nebenapsiden vor.
Die Kirche wurde schon 990 erwähnt, die heutige Form geht auf das ausgehende 12. Jahrhundert zurück. In spätgotischer Zeit wurde die Kirche erhöht. Im Rahmen der folgenden Barockisierung der Kirche wurden die gotischen Rippen am Langhausgewölbe entfernt. Eine Restaurierung der Kirche im Sinne der Neoromanik erfolgte 1906 – 1911. Zuletzt wurde die Kirche 1974 und 1980 umfassend restauriert. Im Zuge dieser Restaurierung wurden in der südlichen Seitenapsis romanische Malereien aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert freigelegt. Sie zeigen Darstellungen der Hll. Afra, Magdalena und Elisabeth und Reste einer Vorhangdekoration. Die Fresken in den Seitenschiffen und im Mittelschiff von Josef Renzler (1804) zeigen Szenen aus dem Leben Mariä und Jesu und Darstellungen aus dem Martyrium der Hll. Kassian, Tarsicius und Sebastian.
Das Apsismosaik, von J. Schmid entworfen und von Neuhauser ausgeführt, und das Bild auf dem Triumphbogen von J. Rabensteiner stammen aus der Zeit zwischen 1907 und 1911. Weiters sind folgende Ausstattungsstücke sehenswert: Pietá aus Holz, 16. Jahrhundert., Kruzifix, Anfang des 17. Jahrhunderts, Hl. Sebastian, Holzskulptur aus dem frühen 18. Jahrhundert, Taufstein, 16. Jahrhundert.

Weitere Informationen

 

  • Friedhofskapelle

Die Entstehung des durch zwei abgefaste Viereckpfeiler in zwei Teile geteilten Raumes geht auf die Zeit um 1500 zurück. Im Inneren befinden sich interessante Fresken aus der Bauzeit, die dem näheren Kreis um Michael Pacher zuzuordnen sind. Es erscheinen Darstellungen des Jüngsten Gerichtes, der Erlösung der armen Seelen durch die Messe, das Gebet und das Fasten. In vier Rundmedaillons sind Brustbilder von Propheten zu sehen.

Pfarrkirche Gais 

  • Neuhaus

Die Burg wurde zwischen 1240 und 1245 von den Herren von Taufers errichtet. Der Name Neuhaus kennzeichnet das neue Haus im Vergleich zur „älteren“ Burg in Sand in Taufers. Nach dem Aussterben der Tauferer ging die Burg an die Görzer Grafen über, die sie als Pflegschaft an verschiedene Herren, darunter auch an Oswald von Wolkenstein, verliehen. Kaiser Maximilian, der Erbe der Görzer, verkaufte die Burg an Peter Mor von Aufkirchen. Noch oft wechselten die Besitzer, heute ist Neuhaus in privatem Besitz.
Original erhalten von der Burg sind nur der viereckige Bergfried und Teile der Ringmauer. Der dreigeschossige Palas wurde unter Verwendung alter Mauerreste völlig erneuert. An der Rückseite gibt es noch Reste eines kleinen Zwingervorbaues und eines künstlich angelegten Halsgrabens.
Neben dem Schloss Neuhaus befand sich ein früher viel besuchtes Heilbad, von zwei Quellen aus granitenem Gestein gespeist, die 200 m oberhalb der Burg entspringen. Die Badeanstalt soll bei Nerven- und Magenleiden sowie für Wunden und Geschwüre heilsam gewirkt haben und war für 40 Badegäste eingerichtet. 20 konnten dort auch wohnen. 1924 brannte das Bad ab und wird seitdem nicht mehr genutzt.
Desgleichen ist in der Nähe bei einer aufgelassenen Magdalenenkapelle eine Einsiedelei bezeugt, von der die Pfarrchronik Gais sechs Bewohner verzeichnet (1611-1718).

Weitere Informationen

Schloss Neuhaus

  • Kapelle zu Mariä Heimsuchung

1601-1603 wurde die liebevoll restaurierte Kapelle von Hans Jakob Söll von Aichberg (er und seine Frau Elisabeth Grienbergerin sind in der Kapelle bestattet), dem damaligen Besitzer der Burg Neuhaus, errichtet. Der Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert. 

  • Kehlburg

Die Burg wurde vermutlich Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut. 1147/55 wird die Burg als Lehen des Heinrich Salzmann von Kehlburg erwähnt. Dessen Nachkommen mussten die Burg nach einer Fehde mit dem Brixner Bischof Bruno an diesen abtreten. 1545 wurde die verfallene Burg an Hans von Rost mit der Verpflichtung zur Wiederherstellung verliehen. Auf den Umbau unter Hans von Rost geht großteils das heutige Aussehen der Burg zurück. 1891 wurde die Burg an den Weihbischof von Kaschau, Dr. Sigmund Bubics, verkauft. Dieser erneuerte große Teile der Burg und geriet darüber in Konkurs. 1944 brannte die Burg ab und verfällt seitdem zusehends.

Kehlburg

  • Kapelle zum Hl. Erasmus

Eine Kapelle bestand hier schon im frühen 12. Jahrhundert, im 16. Jahrhundert wurde sie erneuert, 1715 umgebaut und 1718 neu geweiht. Von der ehemals reich verzierten und mit wertvollen Kunstwerken ausgestatteten Kapelle sind seit 1964 leider nur die ausgeräumten und dem Verfall preisgegebenen Mauern geblieben. Damals wurde die Kapelle im Zusammenhang mit den Sprengstoffanschlägen in Südtirol bei der Fahndung nach Terroristen und Sprengstoff aufgebrochen und stand seitdem offen.
Das wertvolle Altarbild mit dem Hl. Erasmus von Franz Anton Zeiller wurde 1965 gestohlen, die übrige Einrichtung verschwand allmählich, soweit sie nicht sinnlos zerstört wurde.